Menschliche
Verbundenheit
„Wenn wir lieben, streben wir immer danach, besser zu werden, als wir sind.
Wenn wir danach streben, besser zu werden, als wir sind,
wird auch alles um uns herum besser.“
Paulo Coelho, Der Alchimist (geboren 1947 in Rio de Janeiro)
Heute Morgen habe ich einen kurzen Spaziergang durch einen kleinen Park in der Nähe unseres Hauses in Singapur gemacht.
Auf dem Weg durch den Park fand ich ein schwarzes Leder-Portemonnaie. Ich hob es auf und blickte mich um. Vor einigen Augenblicken war mir ein älterer Mann entgegengekommen. Ohne viel Nachzudenken und auf gut Glück, lief ich ihm hinterher.
Ich rief ihn von hinten: „Sorry, Sir!“. Er reagierte nicht. Da ich in Erinnerung hatte, dass der Mann asiatische Gesichtszüge hatte, wiederholte ich mit den wenigen Worten Chinesisch, die ich spreche: „Nǐ hǎo, dǎrǎo yīxià!“ Und tatsächlich, der Mann drehte sich um.
Ich lief zu ihm, zeigte ihm das Portemonnaie und fragte ihn auf Englisch, ob er das verloren hätte. Er Griff erschrocken in seine Hosentasche und sagte mit Verwunderung und Freude: „Yes, it`s my! I lost it.“ Ich gab ihm das Portemonnaie und er bedankte sich sehr. Er fragte, wo ich es gefunden hätte und ich erzählte es ihm.
Weiter fragte er, ob ich hier leben würde, weil ich Chinesisch spreche und von wo ich käme. Ich sagte ihm, dass ich schon einige Jahre hier in Singapur lebe und ursprünglich aus Deutschland käme. Er lachte und sagte auf Deutsch: „Guten Tag, mein Herr. Vielen Dank.“ Er lachte dabei und erklärte auf Englisch, dass er vor vielen Jahren für eine Singapurer Firma in München und Frankfurt gearbeitet hatte.
Er wollte wissen, wo ich genau wohnte in Deutschland. Ich sagte in der Pfalz und – da das die wenigsten Menschen anderswo kennen – ergänzte ich, dass das nicht weit von Heidelberg sei. Er lachte wieder, öffnete die Geldbörse, die er noch in der Hand hielt und holte ein gefaltetes, etwas vergilbtes Photo heraus. Es zeigte ihn – deutlich jünger – zusammen mit einer Frau – seiner Frau, wie er mir erklärte - vor dem Heidelberger Schloss. Unglaublich, oder! Ich freute mich genauso wie er und ich erzählte ihm, dass ich meine Frau in Heidelberg geheiratet habe.
Wir redeten noch eine Weile und dann setzten wir unsere Wege fort. Ich mit einem wirklichen Lächeln über diese Begegnung.
Für mich war dieses Ereignis eine schöne Erinnerung, dass wir Menschen alle verbunden sind. Nicht nur über die Plätze, die wir besucht haben oder die Sprachen, die wir sprechen – auch wenn Auslandsreisen und Sprachen sicher unglaublich helfen, diese globale Verbundenheit zu entdecken.
Vielmehr sind wir jedoch alle verbunden über die Menschlichkeit, das was es eigentlich ausmacht, ein Mensch zu sein. Über Glück und Zufriedenheit, die wir alle suchen in unseren Leben. Unabhängig davon, wo wir leben und zu welcher Nationalität wir gehören.
Wenn sich alle Menschen dies nur ab und an klarmachen würden, dann wären Extremismus und Ausländerfeindlichkeit, die wir erschreckenderweise gerade an so vielen Plätzen dieser Welt begegnen, ganz schnell wieder verschwunden.
Ich glaube, dass eine unserer großen spirituellen Aufgaben ist, dem Hass und den schlechten Nachrichten in der Welt etwas entgegenzusetzen. Es ist eine Aufgabe, die jeder nur ganz persönlich meistern kann.
Und wenn wir ehrlich sind, dann wissen wir alle, welche Aspekte in uns unserem inneren Wachstum dienen und welche nicht. Niemand wird für uns die richtigen Entscheidungen treffen. Dies bleibt uns überlassen.
Ich für meinen Teil versuche so häufig wie irgend möglich die Entscheidungen zu treffen, die mir mein Herz zuflüstert. Und ich bin mir sicher, dass Menschlichkeit, Liebe und Zuversicht zu geben, immer gute Wege für unser eigenes und das spirituelle Wachstum der Welt sind.
Schaut Euch einmal um, wo Ihr heute überall menschliche Verbundenheit entdeckt.
Ein Spaziergang im Park ist vielleicht ein guter Anfang dafür.
Herzlichst
Heiko
